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Elektrosmog messen: So gehen Sie richtig vor
Wer wissen will, wie stark Funksignale und Felder der Hausinstallation an einem Ort sind, braucht das passende Messgerät und ein systematisches Vorgehen. Hier erfahren Sie, worauf es ankommt.
Zuerst klären: Hochfrequenz oder Niederfrequenz?
„Elektrosmog“ ist ein Sammelbegriff für sehr unterschiedliche Felder. Hochfrequente Felder (HF) stammen von Funkanwendungen wie Mobilfunk, WLAN, DECT-Telefonen oder Bluetooth. Niederfrequente Felder (NF) entstehen an der Stromversorgung: an Leitungen in der Wand, an Kabeln, Steckdosenleisten und elektrischen Geräten.
Beide Bereiche erfordern unterschiedliche Messgeräte. Ein HF-Messgerät kann nach Angaben des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) keine elektrischen oder magnetischen Felder erfassen, die von Stromleitungen stammen. Das BfS empfiehlt, vor jeder Messung festzulegen, was genau gemessen werden soll und welche Information Sie daraus gewinnen möchten.
Welches Messgerät wofür?
Für Funksignale brauchen Sie ein HF-Messgerät, dessen Frequenzbereich die Quellen in Ihrer Umgebung abdeckt. Mobilfunk nutzt in Deutschland Frequenzen zwischen etwa 700 MHz und 3,8 GHz, DECT-Telefone funken um 1,9 GHz, WLAN bei 2,4 und 5 GHz, neuere Router auch bei 6 GHz. Prüfen Sie im Datenblatt, ob das Gerät diese Bereiche erfasst.
Für die Hausinstallation brauchen Sie ein NF-Messgerät. Es misst das elektrische Wechselfeld in Volt pro Meter (V/m) und die magnetische Flussdichte in Nanotesla (nT). Manche Geräte können beides, andere nur eine der beiden Größen.
Einfache Geräte zeigen einen breitbandigen Summenwert, also alle Signale im Messbereich zusammen. Frequenzselektive Geräte schlüsseln auf, welcher Funkdienst wie stark beiträgt. Professionelle Messtechnik kostet laut BfS mehrere Tausend Euro (breitbandig) bis mehrere Zehntausend Euro (frequenzselektiv).
Die Einheiten: µW/m², V/m und nT
HF-Messgeräte zeigen entweder die Leistungsflussdichte in Mikrowatt pro Quadratmeter (µW/m²) oder die elektrische Feldstärke in Volt pro Meter (V/m). Im Fernfeld lassen sich beide ineinander umrechnen: 1 V/m entspricht rund 2.650 µW/m². Weil die Leistungsflussdichte mit dem Quadrat der Feldstärke wächst, wirken Werte in µW/m² schnell sehr groß.
Bei NF-Magnetfeldern ist Nanotesla üblich, 1.000 nT entsprechen 1 Mikrotesla (µT). Zur Einordnung: Die 26. Bundes-Immissionsschutzverordnung (26. BImSchV) begrenzt die magnetische Flussdichte von 50-Hz-Anlagen auf 100 µT, also 100.000 nT, und das elektrische Feld auf 5 kV/m. Für ortsfeste Funkanlagen oberhalb von 2 GHz liegt der Grenzwert bei 61 V/m, das sind rund 10 W/m² oder 10.000.000 µW/m².
Viele Geräte zeigen zusätzlich baubiologische Richtwerte an, die deutlich niedriger liegen. Das BfS weist darauf hin, dass diese nicht auf wissenschaftlich anerkannten Wirkungen beruhen und Messwerte deshalb oft hoch erscheinen lassen, obwohl sie weit unter den gesetzlichen Grenzwerten liegen. Maßstab sind für das BfS die Grenzwerte der 26. BImSchV.
Spitzenwert oder Mittelwert?
Viele Funksignale sind gepulst: WLAN, DECT und Mobilfunk senden in kurzen Paketen, die Feldstärke schwankt also ständig. Der Spitzenwert (Peak) zeigt das Maximum im Messzeitraum, der Mittel- oder Effektivwert einen Durchschnitt über die Zeit. Bei gepulsten Signalen kann der Spitzenwert deutlich über dem Mittelwert liegen.
Die gesetzlichen Grenzwerte für Hochfrequenzanlagen sind laut BfS Effektivwerte, gemittelt über sechs Minuten. Einfache Geräte zeigen dagegen oft nur den Spitzenwert des Messzeitraums an. Entscheidend ist, dass Sie bei Vergleichen immer dieselbe Anzeigeart verwenden und sie im Protokoll notieren.
Schritt für Schritt messen
Messen Sie dort, wo Sie sich lange aufhalten, etwa am Schlafplatz, am Schreibtisch oder auf dem Sofa. Planen Sie mehrere Durchgänge zu unterschiedlichen Tageszeiten ein, weil sich Funkverkehr und Stromverbrauch im Tagesverlauf ändern.
HF-Messgeräte sind laut BfS meist nur im Fernfeld zuverlässig, also in einem Abstand von mindestens der doppelten Wellenlänge zur Quelle. Bei WLAN mit 2,4 GHz beträgt die Wellenlänge rund 12,5 cm. Direkt am Router gemessene Werte sind deshalb wenig aussagekräftig.
- Notieren Sie Ort, Uhrzeit, Gerät, Messbereich und Anzeigeart (Spitzen- oder Mittelwert).
- Halten Sie das HF-Gerät mit ausgestrecktem Arm und drehen Sie es langsam in alle Richtungen, bis der höchste Wert erscheint.
- Messen Sie zuerst mit allen eigenen Funkquellen in Betrieb. Schalten Sie dann WLAN-Router, DECT-Basisstation, Repeater und Smart-Home-Geräte nacheinander aus.
- Was danach übrig bleibt, kommt meist von außen, etwa vom WLAN der Nachbarn oder von einer Mobilfunk-Basisstation.
- Halten Sie das NF-Gerät ruhig: Bewegung verfälscht laut BfS vor allem Magnetfeldwerte, Personen und Gegenstände in der Nähe verzerren elektrische Felder.
- Um Beiträge der Hausinstallation einzugrenzen, schalten Sie die Sicherungen nacheinander aus und beobachten, wann das elektrische Feld zurückgeht. Denken Sie an Kühlgeräte und schalten Sie die Sicherungen danach wieder ein.
Vor und nach einer Abschirmung messen
Wenn Sie eine Abschirmung planen, ist die Messung vorher die Grundlage für die Entscheidung. Sie zeigt, aus welcher Richtung Signale kommen und ob eine Abschirmung an dieser Stelle überhaupt etwas verändern kann. Häufig lassen sich Werte bereits durch Maßnahmen an eigenen Geräten deutlich senken.
Nach der Abschirmung messen Sie an denselben Punkten, mit demselben Gerät und denselben Einstellungen erneut. Nur so sehen Sie in Zahlen, was die Maßnahme gebracht hat und ob Fenster, Türen oder Kabeldurchführungen Lücken lassen.
Apps, Billiggeräte und die Alternative Miete
Das BfS hält preisgünstige Messgeräte und Smartphone-Apps für fachgerechte Messungen nicht für geeignet. Sie erfassen nur grobe Werte, und Smartphones eignen sich laut BfS weder für breitbandige noch für frequenzselektive Messungen. Solche Ergebnisse sollten Sie deshalb mit Vorsicht bewerten.
Wenn Sie nur einmal eine Bestandsaufnahme machen möchten, ist ein Mietgerät eine Alternative zum Kauf. Auch das BfS verleiht Messgeräte: Für 45 Euro tragen Sie ein Gerät 24 Stunden am Körper und erhalten einen Messbericht, der die Werte anhand der Grenzwerte einordnet. Für eine detaillierte Analyse vor Ort empfiehlt das BfS Fachleute mit geeigneter Messtechnik.