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Abschirmfarbe richtig verarbeiten und erden
Abschirmfarbe erreicht die angegebene Dämpfung nur, wenn sie dick genug und lückenlos auf einem geeigneten Untergrund liegt und fachgerecht geerdet ist. Diese Schritte sollten Sie kennen.
Vor dem Streichen: messen und planen
Messen Sie vor der Arbeit, aus welcher Richtung hochfrequente Signale kommen und wie stark sie sind. Eine einzelne gestrichene Wand verändert wenig, wenn die Signale vor allem durch das Fenster oder von der Nachbarseite eintreten. Notieren Sie die Messpunkte, damit Sie später unter gleichen Bedingungen vergleichen können.
Planen Sie die Erdung gleich mit. Die Erdungsplatte sitzt typischerweise neben einer Steckdose oder im Sockelbereich, und das Erdungsband wird vor dem Streichen verklebt. Klären Sie früh mit einem Elektrofachbetrieb, wo und wie der Anschluss erfolgen kann.
Den Untergrund vorbereiten
Der Untergrund muss sauber, trocken und frei von trennenden Substanzen sein. Alte Anstriche oder Tapeten, die sich durch Wasser anlösen lassen, sollten Sie nach Herstellerangaben entfernen. Saugfähige Untergründe brauchen eine lösemittelfreie Grundierung, sonst zieht das Bindemittel mit dem Wasser in die Wand und die physikalischen Eigenschaften der Farbe verschlechtern sich.
Ein Hersteller nennt einen einfachen Test: Streichen Sie eine kleine Probefläche und lassen Sie sie trocknen. Schimmert sie silbrig, ist der Untergrund zu saugfähig, ist sie tief schwarz, ist er ausreichend grundiert. Verarbeiten Sie die Farbe nicht unter 5 °C Luft- und Untergrundtemperatur, auch während der Trocknung nicht.
Die leitfähigen Partikel setzen sich im Gebinde ab. Rühren Sie die Farbe unmittelbar vor der Verarbeitung gründlich auf und mischen Sie sie nie mit Wasser oder anderen Farben.
Verbrauch: lieber dick als sparsam
Die Ergiebigkeit hängt vom Untergrund ab. Laut Hersteller liegt sie typischerweise zwischen 4 und 8 m² pro Liter und Anstrich, ein anderer Hersteller nennt 6,6 m²/l innen und 5 m²/l außen als typische Werte. Bei einem Hersteller gilt die angegebene Schirmdämpfung für einen dicken Anstrich mit 4 m²/l, ein dünner Anstrich mit 8 m²/l ergibt laut Datenblatt etwa 5 bis 10 dB weniger.
Ein Rechenbeispiel: Eine Wand von 4 × 2,5 m hat 10 m². Bei zwei Anstrichen und einer Ergiebigkeit von 5 m²/l brauchen Sie rund 4 Liter. Planen Sie lieber etwas mehr ein, denn nach Herstellerangaben wird Abschirmfarbe häufig zu dünn aufgetragen.
Zwei Anstriche, gleichmäßig und vollflächig
Für eine gleichmäßige Schichtdicke empfehlen die Hersteller eine hochwertige Malerwalze mit einer Florhöhe von etwa 6 bis 13 mm. Nehmen Sie immer gleich viel Farbe auf und streichen Sie damit immer gleich große Flächen. Kurzflorige Lackierwalzen, Schaumstoffwalzen und Pinsel tragen meist zu dünn oder ungleichmäßig auf.
Ein zweiter Anstrich gleicht dünnere Stellen des ersten aus; ein Hersteller bezeichnet zwei Lagen als „goldenen Mittelweg“. Im Bereich der Erdungsplatte sollten Sie in jedem Fall zweilagig arbeiten. Vor dem nächsten Anstrich braucht die Farbe je nach Produkt 12 bis 48 Stunden Trocknungszeit (Herstellerangaben).
Zum Schutz der weichen, schwarzen Oberfläche empfehlen die Hersteller zwei Deckanstriche mit gut deckender Dispersions- oder Dispersionssilikatfarbe, alternativ eine Tapete. Rein mineralische Farben wie Kalk-, Lehm- oder Reinsilikatfarben haften laut Herstellern oft schlecht auf der Graphitoberfläche. Ein Testanstrich schafft Klarheit.
Erdung: Band, Platte, Anschluss
Großflächige Abschirmungen gelten nach Herstellerangaben als „fremde leitfähige Teile“ und müssen über den Potentialausgleich geerdet werden. Damit werden sie Teil der Elektroanlage, und es gelten die anerkannten Regeln der Technik. Ohne Erdung kann die leitfähige Schicht niederfrequente elektrische Wechselfelder der Installation weitertragen.
- Saugfähige Untergründe grundieren und trocknen lassen.
- Löcher für die Erdungsplatte bohren.
- Erdungsband in einem Stück verkleben: vom zentralen Erdungspunkt aus einmal quer über alle Flächen, die gestrichen werden. Wenn keine Türen im Weg sind, kann es unter der Sockelleiste verlaufen.
- Abschirmfarbe über das Band streichen, sodass Farbe und Band auf ganzer Länge Kontakt haben. Übergänge zwischen Wänden und Decke lückenlos überlappend streichen.
- Nach dem Trocknen die Erdungsplatte anschrauben.
- Den Anschluss an den Schutzleiter beziehungsweise Potentialausgleich von einem Elektrofachbetrieb herstellen lassen.
Der Anschluss ist Sache des Elektrofachbetriebs
Montage und Inbetriebnahme der Erdungskomponenten dürfen laut Herstellerangaben nur zugelassene Elektrofachkräfte übernehmen. Ein Hersteller weist darauf hin, dass eine Erdung nur in TN-S-, TT- und IT-Netzen zulässig ist, nicht in Netzen mit kombiniertem PEN-Leiter, und dass ein Fehlerstromschutzschalter mit höchstens 30 mA vorhanden sein muss.
Fachleute unterscheiden zwischen Schutzpotentialausgleich (grün-gelbes Kabel) und Funktionspotentialausgleich (transparentes Kabel), der bei großflächigen Abschirmungen die Abgabe niederfrequenter elektrischer Wechselfelder minimieren soll. Welche Lösung in Ihrem Gebäude passt, entscheidet die Elektrofachkraft vor Ort.
Nachmessen und Schwachstellen finden
Messen Sie nach dem Trocknen an denselben Punkten, mit demselben Gerät und denselben Einstellungen wie vorher. Prüfen Sie mit einem NF-Messgerät auch das elektrische Feld vor der gestrichenen Fläche: Ein höherer Wert als vorher kann auf eine fehlende oder unterbrochene Erdung hindeuten.
Fenster und Türen sind die typischen Schwachstellen, denn durch Glas, Rahmen und Türblätter gelangen Funksignale weiter in den Raum. Dafür gibt es Fensterfolien und Abschirmstoffe für Vorhänge. Auch Steckdosen, Kabeldurchführungen und ungestrichene Laibungen können Lücken bilden.
Beachten Sie außerdem: Je stärker ein Raum gedämpft ist, desto schlechter ist dort der Mobilfunkempfang. Smartphones senden dann laut BfS stärker, telefonieren Sie deshalb besser außerhalb des abgeschirmten Raums.